Die Geschichte des Wortes „Mezzaro“
Aktualisiert: 14. Sept.
Das Wort Mezzaro blickt auf eine lange und faszinierende Geschichte zurück, die Jahrhunderte, Sprachen und Kulturen umspannt. Seinen Ursprung zu erforschen heißt, die Geschichte eines Kleidungsstücks nachzuzeichnen, das jahrhundertelang, besonders in Genua, zur Garderobe der Frauen gehörte.

Etymologie: vom arabischen mi'zar
Die heute am stärksten vertretene Hypothese führt Mezzaro auf das arabische Wort mi'zar zurück, das einen Schleier oder ein Tuch zur Bedeckung von Kopf oder Körper bezeichnete. Von dieser Wurzel stammen zahlreiche in mediterranen Dialekten belegte Varianten ab: mizar, mezar, meiero, mezzero.
Früher wurden auch andere Herleitungen vorgeschlagen, etwa eine Verbindung zum italienischen mezzo (halb) oder zum arabischen Verb sarra („bedecken, einhüllen“), doch die Quellenlage hat die Forschung dazu gebracht, die Herkunft von mi'zar zu bevorzugen.
Die ersten Belege
Eines der frühesten Zeugnisse in Italien stammt aus dem Jahr 1517, aus dem Reisebericht von Antonio De Beatis, Sekretär des Kardinals Luigi d'Aragona, der die Kleidung der Frauen in Italien und Europa beschrieb.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts festigte sich der Begriff im genuesischen Wortschatz. Inventare von Brautausstattungen verzeichnen Mezzari aus Seide, Leinen und Baumwolle, unterschieden nach Qualität und Größe.
Dokumente aus den Jahren 1666 und 1668 zeigen, dass der Mezzaro bereits weit verbreitet war, nicht nur bei adligen Damen, sondern auch bei Frauen aus dem Bürgertum und dem einfachen Volk. Ein Inventar von 1676 nennt ausdrücklich „einen Frisierumhang aus karmesinrotem Satin“ (pettinera) neben einem Mezzaro aus Taft.
Die Blütezeit: das 18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert erreichte der Mezzaro seine größte Verbreitung. Die Quellen sind reichhaltig: Inventare, Testamente, Reisebeschreibungen, Stiche und Drucke belegen ihn in allen Schichten der genuesischen Gesellschaft.
Zu den wichtigsten Zeugnissen gehören:
Carlo Giuseppe Ratti, Descrizione delle pitture, sculture e architetture (1780)
Giuseppe Bratti, Le Donne di second'Ordine (1767)
Das Manuskript von Giacomo Casanova (1767)
Der Bericht von P. De La Lande (1768)
Die Genueserinnen trugen den Mezzaro je nach Anlass auf unterschiedliche Weise: bei Besuchen über den Kopf gelegt, bei feierlicheren Gelegenheiten über die Schultern drapiert und während der Gottesdienste ganz um den Körper geschlungen.

Der Mezzaro auf historischen Stichen
Zeitgenössische Stiche vermitteln ein lebendiges Bild des Genua im 18. Jahrhundert. Die Ansichten von A. Gualli (1749) mit Strada Nuova, Piazza Annunciata und Palazzo del Duca d'Oria, heute in den Sammlungen der Cassa di Risparmio di Genova e Imperia, zeigen den Mezzaro als allgegenwärtigen Teil des Stadtbilds.
Auch außerhalb Italiens fand die Mode Beachtung: Die berühmten Stiche nach J.B. Greuze, 1768 im Cabinet des Estampes in Paris veröffentlicht, zeigen eine Genueser Dame mit warmem Mezzaro auf dem Kopf und eine Genueser Bürgerin mit dem Mezzo auf dem Kopf und belegen die europäische Neugier auf dieses unverwechselbare Kleidungsstück.
Ein besonders interessantes Werk, Femme de qualité à sa toilette (Paris, um 1680, Bibliothèque Nationale), zeigt den Mezzaro im Rahmen der damaligen Damentoilette.

Die Stoffe: zwischen Orient und Mittelmeer
Archivforschungen belegen, dass viele der für Mezzari verwendeten bedruckten Stoffe über die Handelswege mit dem Orient nach Genua kamen, vor allem aus indischen Werkstätten, die schon im 16. Jahrhundert für die Qualität ihres Handdrucks mit Holzmodeln auf Baumwolle bekannt waren.
Ab 1731 und systematischer ab 1768 begannen einige europäische Manufakturen, vor allem französische, Stoffe herzustellen, die orientalische Motive und Techniken nachahmten. Der Mezzaro entstand von Anfang an an einem Kreuzungspunkt der Traditionen: uralte Drucktechniken, Ziermotive, die Kontinente durchqueren, und Handwerkskunst, die sich von Generation zu Generation wandelt.
Ein Gegenstand, der die Jahrhunderte überdauert hat
Der Mezzaro überstand auch das 19. Jahrhundert und die Umbrüche der industriellen Mode. Heute bezeichnet der Begriff nicht nur das historische Kleidungsstück, sondern eine ganze Textiltradition, die immer wieder neu gelesen und interpretiert wird.
Wer die Geschichte dieses Wortes kennt, entdeckt einen Gegenstand, der fünf Jahrhunderte Geschichte in sich trägt: von Sprachen, die einander begegnet sind, von Händen, die ihn gefertigt haben, von Frauen, die ihn getragen haben, Generation für Generation.




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